Die selige Mutter Maria Theresia Bonzel OSF

Papst Franziskus spricht Franziskanerin aus Olpe selig

Olpe, 28. März 2013. Die Freude im Olper Mutterhaus ist riesengroß! Seit 52 Jahren warten die Schwestern auf diesen Tag. Bereits am 16. Januar 2013 erhielt das Generalat über Dr. Ambrosi aus Rom die Nachricht, dass eine Kommission der Kardinäle der Seligsprechung von Mutter Maria Theresia Bonzel zugestimmt hat. Rechtsverbindlichkeit sollte diese besondere Würdigung mit der Unterschrift des Heiligen Vaters zu Ostern bekommen. Durch den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. schien der angekündigte Termin nicht mehr ganz so sicher. Umso freudiger wurde die Nachricht aufgenommen, dass Papst Franziskus am 27. März 2013 das entsprechende Dekret unterzeichnet hat. Ein langer Weg, den Olper Franziskanerinnen weltweit mit ihrem Gebet und ihrer Hoffnung gegangen sind. Dass die Seligsprechung in diesem Jahr ausgesprochen wird, ist für den Orden ein ganz besonderes Jubiläumsgeschenk zum 150-jährigen Bestehen.

Die feierliche Seligsprechung durch Angelo Kardinal Amato aus Rom findet am 10. November 2013 in Paderborn statt.  

Wer war eigentlich diese Frau, die ihren Weg so konsequent verfolgt hat?

Mutter Maria Theresia Bonzel wurde 1830 in Olpe als Tochter eines Kaufmanns geboren und auf den Namen Aline Bonzel getauft. Sie war ein lebhaftes Kind, das sich sportlich gerne mit anderen misst und meist als Siegerin hervorging. Sie gehörte zur gehobenen Schicht des Bürgertums, erhielt aber, zeitgemäß,  keine besondere Berufsausbildung. Sie kam aus einem frommen Elternhaus und fühlte sich am Tag ihrer ersten heiligen Kommunion im Jahre 1844 erstmalig außergewöhnlich zu Gott hingezogen. Hier beginnt Sie Ihre Überzeugung zu leben: Er führt – ich gehe. 

Eine Frau mit Herzblut

Ihre für diese Zeit sehr ehrgeizige und interessierte Art sollte ihr auch auf ihrem weiteren Lebensweg zugute kommen. Aline wollte ihrer Liebe zu Christus Inhalt und Form geben und diese im Alltag leben. Sie stellte sich den Plänen ihrer Mutter entgegen, die darauf hoffte, dass Aline heiraten und sie später versorgen wird. Aline wurde 1850 Mitglied der franziskanischen Laienbewegung des III. Ordens. Die Mutter verweigerte hartnäckig die Zustimmung eines Ordensbeitritts, gab jedoch schließlich Alines Wunsch nach.  

Eine Frau mit Weitsicht

Mutter Maria Theresia Bonzel (Aline) ging mit offenen Augen durch ihre Zeit – die einsetzende Industrialisierung führte in großen Teilen der Bevölkerung zu großer Armut, unmenschliche Arbeitsbedingungen zu Krankheit und einer geringen Lebenserwartung. Folglich gab es viele Waisen und Kranke, die ohne Hilfe verwahrlosten. Diese Not der Menschen bewegte 1859 Mutter Maria Theresia Bonzel und eine Gruppe gleich gesinnter Frauen dazu, nicht nur für die Armen und Kranken zu beten, sondern aktiv ihre Leiden zu lindern. 

Eine Frau mit Mut 

1863 half ihr Bischof Konrad Martin von Paderborn schließlich auf den entscheidenden Weg: Er bestimmte, dass das Kloster in Olpe selbständig wurde und setzte Mutter Maria Theresia Bonzel als Oberin ein. Zögernd stellte Sie sich ihren Herausforderungen, verhandelte mit kirchlichen und öffentlichen Behörden, trennte sich von ihrer Familie um andere zu führen und verlor sich dabei selbst nicht aus den Augen. 

Mutter Maria Theresia Bonzel begegnete Menschen, die ihren Weg beeinflusst und geprägt haben. So ermutigte Sr. Franziska Schervier von den Aachener Franziskanerinnen Mutter Maria Theresia die an sie herangetragene Verantwortung, eine neue franziskanische Gemeinschaft aufzubauen, anzunehmen. Ebenso hatte sie kluge Berater für juristische Anliegen. Aufgrund der Erfahrungen in Zeiten des Kulturkampfes war sie bestrebt die Rechtssicherheit des Ordens zu festigen. So gründete sie als eine der ersten Frauen 1902 eine GmbH, was nach preußischem Recht gerade erst möglich war.

Sie war eine Frau der Tat und zeigte in jeder Begegnung beachtliche emphatische Wesenszüge. Aber auch für die, die sie nur aus Erzählungen und Berichten- vor allem aus den vielen Briefen an ihre Schwestern – kennen gelernt haben. Auch die häufig notwendigen Briefwechsel mit politischen und kirchlichen Behörden waren und sind aufschlussreich. Gerade da erleben wir sie als zurückhaltend verantwortliche Frau, die im Ernstfall aber auch keine Auseinandersetzung scheut und sich auch durchzusetzen weiß. Trotz ihrer beeindruckenden Menschenkenntnis war sie keine Person schneller und überstürzter Entscheidungen; schon gar nicht, wenn es um Menschen ging. Sie nahm sich Zeit, anstehende Fragen zu klären, sich damit auseinanderzusetzen und sie auch im Gebet vor Gott zu tragen bevor sie reagierte. Ihr Vertrauen in die Führung Gottes gab ihr eine bewundernswerte Gelassenheit und ließ das persönliche Gewissen zur letzten Instanz werden. Menschen, die mit ihr zu tun hatten, waren beeindruckt von ihrer Klarheit im Denken und Urteilen und von ihrem Einsatz für Menschen, die Hilfe brauchten. 

Eine Frau, die in Erinnerung bleiben muss

Auch in der Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch Menschen, die sie persönlich kannten, sich an sie erinnerten und über die Begegnung mit ihr erzählten. Ein begeisterter Zuhörer dieser Erzählungen war Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger von Paderborn. Er lebte als Kind einige Jahre bei den Franziskanerinnen in Oschersleben. Nach dem Umzug nach Olpe hatte er ebenfalls Kontakt zu den Schwestern. Diese Nähe zu den Schwestern und zur Person von Mutter Maria Theresia hat ihn ein Leben lang begleitet. Er hat entscheidenden Einfluss darauf genommen, dass die Ordensleitung sich für Mutter Maria Theresia um die öffentliche Anerkennung durch die Kirche einsetzt.

Am 18.Sept. 1961 wurde der Seligsprechungs-Prozess durch Erzbischof, Kardinal Lorenz Jäger eröffnet. Die Freude der Schwestern und der Olper Bürger war sehr groß, auch wenn zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte, dass dieser Weg 50 Jahre dauern sollte.

Viele Menschen haben immer daran geglaubt, dass Mutter Theresia ganz nah bei Gott ist und sie haben sie deshalb als ihre Fürsprecherin angerufen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. In Deutschland, aber auch in den Provinzen USA, Philippinen und Brasilien bitten gläubige Menschen Mutter Maria Theresia um ihre Fürsprache bei kleinen und großen Anliegen.

In all den Jahren wurden viele Berichte über Gebetserhörungen an die Schwestern geschickt. Tafeln oder andere Zeichen des Dankes in der Grabkapelle von Mutter Maria Theresia erinnern an die erfahrene Hilfe. Oft waren es Berichte, die an Wunderheilungen erinnerten und ganz sicher oft auch solche waren. Allerdings war kein Mediziner bereit, eine unerklärliche Heilung zu bestätigen.

Im Februar 1999 erkrankte der 4-jährige Luke an einer lebensbedrohlichen Magen-Darm -Erkrankung und wurde in der Kinderklinik in Denver, im Staat Colorado in den USA behandelt. Nach wochenlanger Behandlung verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Es waren keine weiteren Untersuchungen und Therapien mehr möglich. Eine Heilung war aus medizinischer Sicht ausgeschlossen.

In ihrer Not hat Luke’s Familie Kontakt mit den Schwestern in Colorado Springs aufgenommen. Gemeinsam beteten sie und bestürmten Mutter Maria Theresia, sich für Luke’s Genesung einzusetzen. Ihre vielen Gebete wurden nachweislich erhört: Schon nach drei Tagen stellte sich eine erstaunliche Besserung des Zustandes ein und Luke bekam mehr und mehr Kraft und wurde wieder ganz gesund. Dieses „Wunder“ war für die Weiterführung des Seligsprechungsprozesses von entscheidender Bedeutung. Während dieser Jahre war es besonders wichtig, dass dieser Prozess mit Engagement vorangetrieben wurde. Sr. Mediatrix Nies hat während ihrer 12-jährigen Amtszeit als Generaloberin immer wieder hartnäckig den Prozess in Gang gehalten.

Zunächst wurde durch den designierten Postulator aus Rom, Dr. Andrea Ambrosi eine Überprüfung des Geschehens aus kirchlicher Sicht vorgenommen. Es wurde bestätigt, dass es sich um eine Wunderheilung aufgrund der Fürbitte Mutter Maria Theresias handeln könnte. Daraufhin hat Bischof Richard C. Hanifen, Colorado Springs (USA) am 2. Feb. 2001 die offiziellen Anhörungen eines Tribunals über diese Heilung eröffnet, die erst am 28. Februar 2001 beendet war.

Nachdem die Ergebnisse des Tribunals protokolliert, erneut auf Richtigkeit überprüft und nach Rom geschickt waren, wurde dort die Gültigkeit des Berichtes bestätigt. Verschiedene Gremien beschäftigten sich nun mit dem gesamten Material, damit die Heilung als Wunder bestätigt werden konnte.

Erst im Oktober 2012 stimmte auch eine Kommission von Theologen der Beurteilung durch die Mediziner zu. Auf diese Zustimmung haben alle gewartet. Um einen Seligsprechungsprozess zu Ende zu führen, muss, nach kirchlicher Vorgabe, wenigstens ein anerkanntes Wunder nachgewiesen werden. 

Nach ihrer Seligsprechung im November ist es möglich, Mutter Maria Theresia Bonzel nicht nur privat zu verehren, sondern sie auch öffentlich an einem kirchlichen Gedenktag zu feiern.

Ihr Werk und ihre Anliegen sind nie in Vergessenheit geraten und dieses Erinnern wird jetzt gefestigt und festgeschrieben.